Thema des Monats
Wie Apple die Medien für sich nutzt (08.02.2010)
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Seit einigen Wochen spricht alle Welt vom Apple iPad, dem neuen Computer fürs Wohnzimmer, der so einfach zu bedienen sein soll, dass jeder damit klar kommt. Was auf den ersten Blick aussieht wie ein übergroßes iPhone ist in Wirklichkeit ein ganz neues Konzept. Denn Apple will den Computer auch da hin bringen, wo er normalerweise nicht ist: Ins Wohnzimmer, in die Küche, an den Esstisch. Darum kommt das iPad auch ohne Tastatur und Maus aus. Bedient wird das Gerät mit den Fingern.
Ein interessantes Konzept, keine Frage. Aber man darf sich fragen, wieso die Medien regelrecht hysterisch darüber berichtet haben. Klar, Steve Jobs ist derzeit die größte Lichtgestalt der IT-Industrie. Ein, zwei Mal im Jahr sucht der Apple-Chef das Licht der Öffentlichkeit. Dann gerät der Medienapparat in Bewegung, mächtig in Bewegung: Schon im Vorfeld spekulieren alle, was der IT-Obama denn nun verkünden mag, was Apples Ingenieure diesmal ausgetüftelt haben ...
Eine Aufmerksamkeit, als ob der Weltfrieden verkündet würde
Die Präsentation selbst, technisch betrachtet eigentlich eine reine Produktshow, wird zum medialen Großereignis aufgeblasen. Alle berichten darüber, auch die seriösen Medien, und das mitunter so ernsthaft und selbstverständlich, als ob der Weltfrieden verkündet würde oder ein Heilmittel gegen Krebs entdeckt worden wäre. Dabei, man muss es noch einmal klar sagen, stellt nur ein Konzern seine neuesten Produkte vor. Kommerzielle Produkte. Computer. Onlinedienste. Software. Nicht weniger, aber eben ganz bestimmt auch nicht mehr.
Was macht also den Reiz aus, warum stürzen sich alle auf diese ein, zwei Termine im Jahr, in denen der Apple-Chef die neuesten Produkte herzeigt? Wieso schauen alle hin, berichten weitgehend unkritisch, verfallen in Jubel, teilweise sogar in Euphorie? Die Berichterstattung nimmt mitunter absurde Züge an. Selbst eigentlich kritische Medien wie Spiegel Online lassen sich dazu hinreißen, einen Live-Ticker einzurichten - in dem konnten Spiegel-Onliner-Leser im Sekundentakt nachlesen, was gerade auf der Bühne in San Francisco passiert, ob Steve Jobs sich räuspert, gerade nach einem Stück Technik greift oder ob Musik die Spannung erhöht. Für ein Blog ist so etwas OK - aber für ein seriöses Onlinemagazin? Wohl eher nicht. Mit kritischem Journalismus hat das jedenfalls nicht mehr viel zu tun.
Unkritische Berichterstattung
Nahezu der gesamte Medienapparat mutiert zur Fanmeile. Irgendwie kann sich offensichtlich kaum jemand der magischen Sogkraft entziehen. Apple selbst weiß das und inszeniert diese Events hoch professionell, äußert sich im Vorfeld überhaupt nicht, worum es eigentlich geht, verordnet allen strengstes Stillschweigen. Jeder Apple-Mitarbeiter weiß: Wer etwas sagt, der fliegt. Auch Partner oder Blogger, die zu viel ausplaudern oder spekulieren, müssen damit rechnen, später geschnitten oder abgestraft zu werden.
Ein, zwei Tage nach dem Ereignis ist dann der mediale Kater zu spüren. Der ein oder andere fragt sich dann doch: Was war das für eine Party, was haben wir denn da gemacht? Dann werden auch mal kritische Stimmen laut. Und die sind eben auch bei einem Apple iPad durchaus erlaubt. Wieso hat das Gerät keine Kamera, keine Videofunktion? Wieso weigert sich Apple eigentlich immer noch, den Industriestandard Adobe Flash zu unterstützen? Wieso gibt es so wenige Anschlüsse? Selbst USB fehlt! Wieso, was soll das? Warum gibt es keine Möglichkeit, das iPad aufzustellen, ohne teure Extras bei Apple kaufen zu müssen?
Was kann das Apple iPad tatsächlich?
Hier und da werden diese kritischen Fragen jetzt tatsächlich mal gestellt. Aber man muss sie vorsichtig stellen - und mit großer Ernsthaftigkeit, denn anderenfalls droht der Zorn der Apple-Gemeinde. Die schreiben dann gerne E-Mails oder überfluten das Forum mit Hasstiraden, bloß weil man sich kritisch mit Apple-Produkten auseinander setzt. Denn das ist Frevel in den Augen vieler Apple-Jünger ...
Das lässt sich eigentlich nur dadurch erklären, dass Apple es geschafft hat, zu einer emotionalen Marke zu werden. Apple-Produkte sind emotional belegt, es sind Lifestyle-Produkte: schön anzusehen, schick gestaltet, irgendwie anders. Nichts für Menschen, die sich nur für Technik begeistern können, sondern für Menschen, die Technik mögen, wenn sie gut aussieht - und funktioniert.
Apple ist eben längst kein Computerhersteller mehr, sondern in der Unterhaltungsindustrie tätig. Und Steve Jobs ist kein Manager aus der IT-Industrie, sondern ein Popstar. Das ist durchaus unterhaltsam. Nur sollten wir Medien ihn dann auch so behandeln. Ud dazu gehört auch Kritik.









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