Thema des Monats
Das Web, ein einziges Blog? (08.05.2007)
Ich blogge, also bin ich. Das scheint derzeit das vorherrschende Motto im Netz zu sein. Aktuelle Statistiken belegen den Trend: Demnach gibt es mittlerweile deutlich über 120 Millionen Blogs. Tendenz: Steigend. Jeden Tag kommen mehrere Zehntausend neue Blogs dazu, die das Angebot erweitern. Auf Blogs spezialisierte Suchmaschinen wie Technorati kommen kaum noch nach, ihre Verzeichnisse aktuell zu halten.
Mehr als 120 Millionen Blogs warten auf Leserschaft
Irgendwie scheint derzeit jeder zu bloggen. Die Themenvielfalt ist jedenfalls enorm: So wird über das Leben an sich gebloggt, über Katzen, Cocktails und Sportwagen, über Frust im Job, morgendliche Staus oder die Vorzüge eines Apple Macintosh, über den Lebenspartner, technische Neuerungen und selbstverständlich auch über die Unendlichkeit des Universums… Kein Thema ist abseitig oder ausgefallen genug, um nicht Gegenstand oder Thema eines Blogs zu werden. Und das macht die Sache vielleicht auch so reizvoll: Wer sich in die 'Blogosphäre' begibt, wie die emsig untereinander verlinkte Welt der Blogs auch gerne genannt wird, kann sicher sein, ein passendes Blog zu finden.
Aus technischer Sicht sind Blogs eigentlich nichts Besonderes. Niemand hat das Internet neu erfunden. Im Gegenteil: Blogs sind ganz normale Webseiten. Man braucht also keine spezielle Software, um Blogs zu lesen. Der normale Browser reicht völlig. Allerdings gibt es einen entscheidenden Unterschied zwischen Blogs und normalen Webseiten: Blogs sind chronologisch geordnet. Die jeweils jüngsten Beiträge erscheinen immer zuerst. Daher auch der Name: Blog ist die Kurzform von Weblog, zu Deutsch: Web-Tagebuch. Und Tagebücher (oder Logbücher) sind traditionell eben chronologisch angelegt.
Jeder kann ruckzuck ein eigenes Blog starten
Darum sind die meisten Blogs auch mit einem Kalender ausgerüstet. Über den erfahren die Besucher, wann sich etwas im Blog getan hat. Eine sinnvolle Einrichtung, da längst nicht alle Blogs täglich aktualisiert werden. Das wirklich Praktische an Blogs ist aber: Hat man erst mal ein interessantes Blog entdeckt, lässt es sich abonnieren. Ein Klick auf das orangefarbene Logo gleich neben der Adresszeile im Browser reicht. Einmal Abonnent, informiert einen der Browser des Vertrauens, sollte sich im Blog etwas getan haben. Man muss also nicht alle Blogs der Reihe nach besuchen, um herauszufinden, wo sich etwas getan hat.
Auf Webseiten wie blogalm.de oder www.blogscout.de gibt es nützliche Übersichten über deutschsprachige Blogs. Ideale Startrampen für alle, die mal in die Blogwelt hinein schnuppern wollen. Aber auch das Schreiben und Veröffentlichen eines eigenen Blogs ist heute denkbar einfach geworden. Es gibt diverse Onlineportale, wo das Einrichten eines eigenen Blogs eine Sache von nur wenigen Minuten ist. Besonders bequem ist das zum Beispiel unter www.blogger.com. Hier stehen diverse Layout zur Auswahl. Selbst Techniklaien haben hier nach wenigen Minuten ihr eigenes Blog am Start. Kostenlos. Das Portal kümmert sich um den Rest, auch darum, das Blog bekannt zu machen.
Wie Blogs das Web verändern
Vielfalt und eine einfache Handhabung, das sind zwei der wichtigsten Erfolgsfaktoren. Blogs haben fraglos das Web verändert. Allerdings muss man auch sagen: Mehr als 90 Prozent aller Blogs sind es kaum wert, gelesen zu werden. Denn nicht jeder kann schreiben, nicht jeder kommt auf den Punkt - und vor allem: Nicht jeder hat etwas zu sagen. Viele hält das nicht davon ab, mit einem Blog zu starten. Der überwiegende Teil der Blogs wird deshalb nicht gelesen und/oder nach einiger Zeit nicht weiter gepflegt. Eigentlich wäre es schön, wenn solche 'Leichen' irgendwann wieder aus dem Web entfernt würden. Was leider allzu oft nicht der Fall ist. Dennoch: Es gibt viele, viele interessante Blogs, die einen Besuch wert sind. Man muss sie nur finden.
Aber nicht nur Privatleute bloggen. Auch viele Profis hauen in die Tasten. Journalisten zum Beispiel. Das Bildblog beobachtet kritisch, was die große Boulevardzeitung schreibt und behauptet und deckt nahezu täglich Unstimmigkeiten oder Ungenauigkeiten auf. Und in den USA hat es die Journalistin Arianne Huffington innerhalb kürzester Zeit zum Medien-Star gebracht: Mit ihrer 'Huffington Post' hat sie bewiesen (und beweist es immer noch), dass es ein politisches Blog durchaus mit den großen, traditionellen Medien aufnehmen kann. Die Huffington Post ist heute eins der meist gelesenen Onlinemedien in den USA. Und ein wirtschaftlicher Erfolg.
Blogs sind ein wichtiger Bestandteil des Webs geworden. Dank ihrer Hilfe kann sich jeder ausdrücken, kann jeder ohne Aufwand eine breite Öffentlichkeit erreichen. Genau das entspricht dem Grundgedanken des Web. Darüber hinaus sind Blogs exzellent untereinander vernetzt. Auch das entspricht dem Konzept des Webs. Dennoch werden Blogs nicht einfach so Zeitungen, Zeitschriften oder seriöse Onlinedienste ersetzen, wie immer wieder zu lesen ist. Denn auch bei Blogs kommt es auf den Inhalt an. Die Medienlandschaft haben Blogs aber ohne Zweifel schon jetzt.










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