Spiel des Monats (März 2009)
Ceville






Ceville

Viele Computerspiele machen Spaß. Aber kein Genre vermag ganze Familien dermaßen zusammen zu schweißen wie ein ordentlich kniffliges Adventure. Gemeinsam wird gerätselt, geknobelt, geraten und probiert. Keine Kombination ist verrückt genug, um nicht doch noch ans Ziel zu führen. Wenn sich dann noch die Macher witzige Texte einfallen lassen und gute Sprecher engagieren, kanns bei Schlechtwetter und Wirtschaftskrise ruhig weiter stürmen: Uns doch egal, es ist Adventure-Zeit!
Die Story

Der kleinwüchsige Despot Ceville regiert das Fantasy-Reich Faeryanis ohne Rücksicht auf Verluste. Er ahnt nicht, dass sein hinterlistiger Berater Basilius schon seinen Umsturz in der Mache hat. In der Manier eines Kardinal Richelieu (Die drei Musketiere!) gibt der vor, die herzensgute Gwendolyn auf den Thron setzen zu wollen. In Wirklichkeit malt er sich jedoch eine eigene Schreckensherrschaft aus, die sogar Cevilles Tyrannei in den Schatten stellt. Ruckzuck findet sich Ceville hinter Schloss und Riegel wieder und sinnt auf Rache.
Glücklicherweise kommt das junge Mädchen Lilly am Gefängnis vorbei, die sich von dem giftigen Zwerg überreden lässt, ihm doch bitteschön beim Ausbruch behilflich zu sein. Im Team macht sich dieses ungleiche und doch dynamische Duo daran, die Machtübernahme durch Basilius zu verhindern und Fearyanis vor der dunkelsten aller Zeiten zu bewahren ...
Verrückte Aufgaben

Ab jetzt heißt die Devise Teamwork. Und natürlich alles einsammeln und alles ausprobieren. Der Spieler agiert mal mit Lilly, mal mit dem untersetzten Ceville. Auch gleichzeitige Manöver sind gefragt. Beispielsweise wenn Lilly mit einem Bühnenscheinwerfer eine untalentierte Tänzerin geschickt in Richtung Falltür lockt, während Ceville der Tanzmaus per Hebel einen sagenhaften Abgang beschert.
Auch schlaues Kombinieren ist im Spielverlauf unverzichtbar. Wer sich ein paar Weintrauben, ein leeres Cocktailglas und einen Eimer grüner Farbe zusammengesammelt hat und sich zufällig in der Nähe einer Sonnenbank befindet, kann im richtigen Moment problemlos einen gefälschten Kiwi-Royal mit Rosinen mixen. Damit lässt sich einem abgetakelten Zombiepiraten eine wichtige Flasche Tabasco-Soße abluchsen. Und wer hätte gedacht, das ein Waschpulver-Tab in der Schleuder einen Geysir zum übersprudeln bringen kann? Oder dass ein alter schwyzer-dütsch brabbelnder Druiden den entscheidenden Vorteil bei einem Fußballmatch garantieren wird, wenn er nur abgelenkt ist ...
Hinweise und Tipps holt sich der Spieler durch die abgedrehten Dialog-Optionen, die sich bei Gesprächen mit selbstverliebten Helden, millionenschweren Zwergen, Hippie-Elfen, fliegenden Betrüger-Händlern, anonymen Bösewichten und ähnlichen Konsorten so auftun.
Fazit

Grafisch macht das 3D-Adventure einen soliden Eindruck. Mit viel Liebe zum Detail wurde hier eine zauberhaft durchgeknallte Märchenwelt mit schillernden Figuren erschaffen, die ebenso quietschbunt wie einfallsreich ist. Auch der Sound macht Spaß und setzt zahlreiche Anspielungen klanglich um, beispielsweise wenn sich Ceville à la Indiana Jones durchs Fenster schwingt. Selbst die Ladezeiten zwischen den einzelnen Episoden werden durch selbstironische Bildkommentare und technische Hilfshinweise kurzweilig. Und: Tolle Sprecher.
Das Wunderbare an Ceville ist die Möglichkeit, einen zwar nicht ganz astreinen, aber doch im Grunde seines Herzens gutmütigen Bösewicht zu spielen. Die missvergnügte Natur dieses Halunken wird aber durch die liebevolle Naivität Lillys ausgeglichen. Viel Wortwitz und Referenzen an andere Videospielen und Filme machen echt Spaß. Damit haben auch Eltern immer wieder etwas zu lachen.










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