Thema des Monats
Kommt das elektronische Buch? (07.08.2008)
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Eine Meldung macht leise die Runde: "Telekom will ePaper-Angebot testen." Klingt erst mal nicht weiter aufregend; hat aber eine gewisse Sprengkraft. Denn wenn sich erst mal ein träger Tanker wie die Telekom mit einem Thema beschäftigt, kann wohl kaum noch von einem Randthema gesprochen werden. Mit ePaper beschäftigt man sich jetzt. Auch andere Konzerne wie France Télécom prüfen, ob und wie sie in den Markt einsteigen können.

Eine längst überfällige Entwicklung. Jahrelang wurde über ePaper nur in Insiderkreisen diskutiert, jetzt berichten sogar große Zeitungen darüber. Gerade die hatten vor dem Thema bislang eine gewisse Angst. Denn "ePaper", das klingt so, als würde das klassische Papier, die klassische Zeitung durch elektronisches Papier verdrängt. Wird sie auch - aber die Inhalte nicht.
Modern denkende Journalisten haben längst begriffen, dass es unerheblich ist, ob ihre Artikel auf "richtigem" Papier erscheinen, oder ob auf ePaper, auf LCD-Bildschirmen, in Handydisplays oder wo auch immer. Hauptsache, die Artikel und Nachrichten werden gelesen.
Die elektronische Zeitung ist immer aktuell
Ob das bedruckte Papier als Medium ausstirbt, kann eigentlich nicht mehr ernsthaft diskutiert werden. Nur über das Wann kann man noch streiten. Der Druck wird immer größer, der Wettbewerb der Medien nimmt weiter zu. Elektronische Medien und vor allem das Internet lassen die traditionelle "Deadline" der Zeitung zur Farce werden. Die Welt dreht sich eben weiter, 24 Stunden am Tag. Dem müssen moderne Redaktionen Rechnung tragen. Tempo, Flexibilität und Reaktionsgeschwindigkeit, das sind große Vorteile des Internet.
Eine Zeitung muss aber nun mal irgendwann gedruckt werden. Alles, was danach passiert, findet in dieser Ausgabe nicht statt. Ein großes Problem, das sich mit ePaper in den Griff bekommen lässt. Denn ePaper ist eine elektronische Zeitung. Die Inhalte sind top-aktuell, nur wenige Sekunden alt. So wie am Computerbildschirm, nur will man halt versuchen, eine Brücke zwischen Computerdisplay und Zeitung zu schlagen. ePaper will die Vorteile beider Welten miteinander verbinden. Dazu sind neue Geräte nötig, mit besonders brillanten Displays, die sich gut ablesen lassen, mit leistungsfähigen Akkus und einfacher Handhabung.
Kindle: 300 Gramm elektronisches Lesegerät
In den USA gibt es sein einigen Monaten den "Kindle", ein ePaper-Reader, der ganz gut zeigt, in welche Richtung die Reise geht. Kostenpunkt: Stolze 359 Dollar, rund 250 Euro. Das Gerät kommt von Amazon und kann auf der amerikanischen Webseite des Onlineshops gekauft werden. Das rund 300 Gramm leichte Gerät dient nur einem Zweck: Unterwegs Bücher, Zeitungen und Zeitschriften lesen zu können. Allerdings elektronische Ausgaben.
Das Display des Kindle sieht anders aus als die üblichen Displays moderner Notebooks oder Handys. Der Kindle bietet eine Anzeige, die als "Electronic Paper" bezeichnen wird, als elektronisches Papier. Schwarz auf weiß, mit einigen Grautönen und vor allem: mit starken Kontrasten. Selbst bei starkem Sonnenlicht kann man die Texte im Kindle noch ziemlich gut lesen. Und wenn es dunkel wird, lässt sich bei Bedarf eine Hintergrundbeleuchtung dazu schalten.
Kindle wird über drahtloses Netzwerk aufgeladen
Rund 200 Schmöker lassen sich im Gerät speichern. Das macht einen Vorteil zum klassischen Buch deutlich: Wer auch nur ein Dutzend Bücher mit in den Urlaub nehmen will, muss schwer schleppen. Im 300 Gramm-Kindle hat man 200 Titel dabei. Neue eBooks gibt es im "Kindle Store", einem Onlineshop für eBooks und digitale Zeitschriften. Die Auswahl kann sich sehen lassen: Über 140.000 Titel stehen bereits zur Auswahl und lassen sich herunter laden, darunter nahezu alle Titel, die auf der Bestsellerliste der New York Times stehen. Aber auch einige deutschsprachige Zeitungen wie die FAZ gibt es bereits als Download-Version.
Das erste Kapitel der meisten eBooks kann in der Regel kostenlos geladen werden. Als Schnupperangebot. Wer anschließend das komplette eBook oder Magazin lesen möchte, muss dafür bezahlen. Die Mehrzahl der elektronischen Bücher gibt es für 9,99 Dollar, deutlich günstiger als die gedruckten Ausgaben.
In den USA relativ erfolgreich
Natürlich sollte bei einem elektronischen Lesegerät alles ganz einfach gehen. Im Idealfall merkt man gar nicht, dass man letztlich mit einem Computer arbeitet. Der Kindle zum Beispiel muss an keinen Computer angeschlossen werden, sondern erhält gekaufte eBooks per Datenfunk. Der Kindle ist dazu mit einem speziellen Funkmodem ausgestattet, das nahezu in den gesamten USA drahtlos Zugang zum Onlineshop von Amazon ermöglicht. Ohne Zusatzkosten. Wer eine Urlaubsreise plant, sollte sein digitales Buch also besser vor Antritt der Reise aufladen.
Aber auch der Kindle findet keineswegs nur Zuspruch. Kritiker ärgern sich über das "Digital Rights Management" im Gerät: Wer ein eBook für seinen Kindle-Reader kauft, kann dieses eBook nur auf diesem einen Gerät lesen. Eine Weitergabe, etwa an Familienangehörige oder Freunde, die ebenfalls über einen eBook-Reader von Amazon verfügen, ist nicht möglich.
In Deutschland ist der Kindle bislang praktisch nicht verwendbar, denn Amazon verlangt darüber hinaus nach einer amerikanischen Postadresse und einer amerikanischen Kreditkarte, sonst werden keine eBooks verkauft. In den USA hingegen scheint sich der Kindle trotz des doch recht hohen Anschaffungspreises recht gut zu verkaufen. Noch macht Amazon keine offizielle Angaben zu den Stückzahlen, doch ein Analyst schätzt, dass Amazon rund 40.000 Geräte pro Monat absetzt. Bis Ende des Jahres soll Amazon rund 700.000 Geräte verkauft haben.
Schlecht sieht die Zukunft für ePaper also nicht aus.
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