Aktuell
Gesichtserkennung auf dem Vormarsch
(12.01.2012)

Computer können heute erstaunliche Dinge. Sie können zum Beispiel mühelos Gesichter auf Fotos erkennen und sogar die Personen identifizieren, die darauf zu sehen sind. Bei der Gesichtserkennung werden typische Merkmale im Gesicht ermittelt, analysiert und regelrecht vermessen - Nase, Augen, Mund, Kinn, Ohren. Sieht bei jedem Menschen anders aus.
Das eigene Gesicht als biometrischer Fingerabdruck
Mit Hilfe der ermittelten Daten entsteht eine Art biometrischer Fingerabdruck, der unverwechselbar ist. Selbst wenn sich zwei Personen ähnlich sehen, verfügen sie über unterschiedliche biometrische Merkmale. Der biometrische Fingerabdruck lässt sich nicht nur mühelos speichern, sondern auch leicht abgleichen. Um beispielsweise herauszufinden, ob auf einem Foto eine bereits bekannte Person zu sehen ist, braucht ein Computer in der Regel nur Bruchteile einer Sekunde.
Genau das machen sich immer mehr Onlinedienste aus den unterschiedlichsten Gründen zunutze: Facebook, Google, Apple, Microsoft - sie alle setzen mittlerweile auf Gesichtserkennung oder bieten sie an. Sie erkennen Personen auf Fotos. Facebook hat damit begonnen, Gesichtserkennung im großen Stil einzusetzen - und ist damit ins Visier der Kritiker geraten.
Moderne Gesichtserkennung funktioniert erstaunlich zuverlässig
Denn Facebook erfasst die biometrischen Daten von Personen nicht nur ohne weitere Nachfrage, sondern hat die Funktion auch noch mehr oder weniger lautlos eingeführt. Facebook ermittelt bei jedem hochgeladenen Foto, wer darauf zu sehen ist. Erkennt Facebook eine Person, schlägt das Netzwerk dem Uploader automatisch den Namen vor. Der muss diesen allerdings noch bestätigen.
Möglich wird die Gesichtserkennung nur dadurch, dass Facebook-Benutzer häufig Personen auf Fotos markieren, mit einem "Tag" versehen. Dadurch kennt Facebook nicht nur das Gesicht der Person, sondern auch ihren Namen und in der Regel sogar auch das Facebook-Profil, das gewöhnlich mit verlinkt wird. Gibt es mehrere Fotos von einer Person, klappt das mit der Gesichtserkennung erstaunlich zuverlässig.
Facebook legt gigantische Gesichter-Datenbank an
Nach einiger Kritik hat Facebook die Gesichtserkennung etwas entschärft. Mittlerweile kann jeder User die Funktion für sich abschalten, dann werden hoch geladene Fotos nicht analysiert und man kann auch nicht auf Fotos anderer identifiziert werden. Allerdings ist die Gesichtserkennung standardmäßig aktiviert, jeder Benutzer, der das nicht möchte, muss sie abschalten. Bei Google+ ist das anders: Hier hat jeder User die Wahl. Nur wer ausdrücklich damit einverstanden ist, per automatischer Gesichtserkennung auf Fotos innerhalb von Google+ identifiziert werden zu können, kann auch identifiziert werden.
Kritiker befürchten, dass bei Facebook die umfangreichste Datenbank mit biometrischen Daten der Welt entsteht. Keine unberechtigte Sorge, denn nirgendwo sonst werden mehr Fotos hochgeladen als bei Facebook. Und weil die User freiwillig mitmachen, landen unzählige Fotos mit unzähligen biometrischen Daten in den Datenbanken. Niemand kann wissen, was Facebook, aber auch Google+ mit den gespeicherten Daten letztlich anstellt. Liegen die Daten einmal vor, ist eine Menge vorstellbar.
Kritiker fürchten Missbrauch
Und auch technisch machbar: Schon heute wäre es technisch machbar, eine Person auf der Straße zu fotografieren und in Datenbanken zu suchen, wer diese Person ist. Moderne Gesichtserkennung wäre dazu in der Tat in der Lage. Noch scheuen sich Onlinedienste, so etwas anzubieten - aber es wäre machbar. Und das reicht, um sich berechtigte Sorgen zu machen.
Auch Apple tüftelt an einer Gesichtserkennung. Nicht etwa für das Fotoprogramme iPhone, das kann nämlich bereits Gesichter erkennen, zumindest grundsätzlich, und Fotos finden, die eine bestimmte Person zeigen. Apple hat andere Ziele: Mobile Geräte wie iPhone, iPod oder iPad sollen einen Benutzer anhand des Gesichts erkennen und ihnen Zugang zum Gerät gewähren - oder entsprechend verwehren, wenn sie nicht registriert sind. Der entsprechende Patentantrag liegt bereits vor.
Das eigene Gesicht als Zugangskontrolle
Die Idee ist gut: Die eingebaute Kamera erfasst das Gesicht und entscheidet, ob es sich um einen bekannten Benutzer handelt. Das erspart die Eingabe von Benutzernamen, Passwörtern oder PINs. Allerdings muss eine solche Erkennung auch wirklich tadellos funktionieren: Legitimierte Benutzer sollten nicht mehrmals versuchen müssen, Zugang zu bekommen - umgekehrt sollte es nicht ausreichen, ein schlichtes Foto von einem legitimierten Benutzer vor die Kamera zu halten, um sich den Zugang zu erschleichen.
Gesichtserkennung ist unbestreitbar auf dem Vormarsch. Einige Möglichkeiten sind durchaus reizvoll und können sogar nützlich sein. Allerdings werden bei der Gesichtserkennung äußerst sensible Daten ermittelt, erhoben und auch gespeichert. Darum sind solche Dienste mit Vorsicht zu genießen und sollten mit viel Fingerspitzengefühl entwickelt und eingeführt werden und mit Bedacht verwendet werden.
[Ein Beitrag von Jörg Schieb]
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