Dienstag, 22. Mai 2012

Thema des Monats

Virtueller Spaziergang mit Google Street View  (10.08.2007)

Google ist ein echter "Think Tank". Die Techniker, Entwickler und Ingenieure beim amerikanischen Suchdienst denken sich ständig neue Sachen aus. Einige davon sind praktisch, andere eher experimentell, und manche verändern sogar die Welt, in der wir leben. Mit Google Earth ist das zweifellos gelungen: Seitdem es Google Earth gibt, greift wohl so gut wie niemand mehr freiwillig zum guten, alten Atlas. Warum auch, wenn der Computer viel schneller viel bessere Karten und Fotos liefert. Und unterhaltsamer ist es auch: Denn die Welt aus dem All, aber gleichzeitig auch ganz nah betrachten zu können, das hat eine Faszination, der sich niemand entziehen kann.

Momentaufnahmen amerikanischer Metropolen

Schritte; Rechte: Internet-ABC

Vor einer Weile ist ein neuer Dienst dazu gekommen, "Google Street View" genannt. Wieder mal ein Coup, etwas ganz Neues, was es so vorher nicht im Netz gegeben hat. Google Street View erlaubt, quasi virtuell auf den Straßen einiger Metropolen spazieren zu gehen. New York, Miami, San Francisco, Dallas, Las Vegas - und seit kurzem auch in Los Angeles und San Diego. Der Benutzer kann jede beliebige Straße auf dem Stadtplan anklicken und landet dann "in" dieser Straße. Auf dem Bildschirm erscheint ein Panoramafoto. Hier kann man nach Herzenslust zoomen oder sich um 360 Grad umschauen. Alles scheint möglich. Ein Klick, und man geht ein paar Meter weiter.

Auf diese Weise ist quasi die ganze Stadt abgebildet. Street-View-Benutzer können sich praktisch jedes Haus anschauen. Die Auflösung ist derart gut, dass sich ohne weiteres die Nummernschilder von geparkten Autos erkennen lassen. Straßenschilder oder Hausnummern sowieso. Es ist verblüffend. Faszinierend. Und auch ein bisschen beängstigend, denn es hat natürlich - wieder mal! - auch ein bisschen was von Big Brother. Denn man kann auch Menschen sehen, die über die Straßen flanieren, die aus Häusern kommen oder gerade einfach nur auf der Parkbank sitzen oder ihren Hund ausführen. Das Leben in der Stadt - festgehalten in Millionen Panoramafotos.

Wie die Panoramaaufnahmen entstehen

Viele fragen sich: Wie entstehen die Fotos? Niemand geht mit der Kamera unter dem Arm durch die Stadt und baut alle paar Meter ein Stativ auf. Das würde ewig dauern und wäre auch viel zu ungenau. Google hat eine Flotte von Kleinwagen mit Spezialkameras ausgerüstet, die jeweils auf dem Autodach montiert sind. Diese Spezialkameras machen alle paar Meter die 360-Grad-Panoramaaufnahmen. Der Rest ist digitale Fleißarbeit: Die Fotos werden von Computern verarbeitet, exakt verortet und miteinander kombiniert. Fertig.

Da die Bildqualität wirklich beachtlich ist, lässt sich eine Menge erkennen. Schon gibt es Webseiten wie streetviewr.com, die ungewöhnliche oder witzige Situationen zeigen, die über Google Street View frei zugänglich sind. Ein Hund neben einem "No Smoging"-Schild, der gerade sein Häufchen macht. Ein geparkter Transporter vor der Ex-Wohnugn von O.J. Simpson. Frauen, die "oben ohne" in einem Park von San Francisco parken. Für Unbeteiligte durchaus unterhaltsam, sich diese Momentaufnahmen anzuschauen.

Datenschützer machen sich Sorgen

Aber nicht immer für die Beteiligten. Schon gibt es Beschwerden, etwa von einem Mann, der rauchend vor einem Büro fotografiert wurde. Vielleicht hat er seiner Frau ja gesagt, er hätte aufgehört? Oder von einem Mann, der neben seinem Auto parkt und auf offener Straße uriniert. Das kann in den USA ganz schön teuer werden. Wer genauer hinschaut, kann aber auch die Gesichter von Menschen erkennen, die gerade Erotik-Shops verlassen oder eine Arztpraxis betreten. Um nur einige Beispiele zu nennen.

Natürlich hätte man diese Situationen auch gesehen, wenn man genau in diesem Moment an derselben Stelle in der Stadt gewesen wäre. Genau so argumentiert auch Google, die ihr Angebot natürlich für unbedenklich halten. Doch im Internet wird aus einem Moment eben ganz leicht ein Dauerzustand. Und das kann zu Problemen führen, denn die von den Google-Fahrzeugen fotografierten Personen wissen ja nicht einmal, dass sie fotografiert wurden oder wann der Wage durch die Straßen gefahren ist. So faszinierend diese neuen Möglichkeiten zweifellos sind, sie bergen auch Risiken. Und darüber muss diskutiert werden.

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