Thema des Monats
Das iPad - Segen oder Schrecken? (05.05.2010)
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Es hat keine vier Wochen gedauert, bis Apple mal wieder einen Verkaufsrekord vermelden konnte: Demnach hat das Unternehmen allein im April über eine Million iPads verkaufen können. Der ungeheure Ansturm auf die Apple-Stores in den USA hat dazu geführt, dass der Rest der Welt ipad-technisch zum Entwicklungsland wird und weiter geduldig darauf warten muss, mit Hightech aus Kalifornien versorgt zu werden. Eigentlich sollte das iPad in Europa und Asien Ende April im Handel sein, jetzt wird es wohl Ende Mai, vielleicht sogar noch später. Denn nun will Steve Jobs erst mal den amerikanischen Markt bedienen.
Nach iTunes und AppStore nun der iBook Store
Der große Ansturm auf das Tablet-PC von Apple freut aber nicht nur Apple und alle Apple-Aktionäre, sondern auch Verleger in aller Welt. Nicht wenige von ihnen machen sich Hoffnung auf sprudelnde Umsätze. Nicht völlig grundlos, denn eines hat Apple zweifellos gezeigt: Das Unternehmen weiß, wie man Geld verdient. iTunes ist längst der erfolgreichste Onlineladen für Musik weltweit, aber auch Musikvideos, Filme und Fernsehsendungen kann man hier kaufen und sich dann auf iPod, iTouch oder auf dem Fernseher zu Hause anschauen.
Mit dem AppStore ist Apple ein weiterer großer Wurf gelungen. Wer hätte gedacht, dass Handybesitzer bereit sind, für Anwendungen (Applications) zu bezahlen? Steve Jobs hat fest daran geglaubt - und sollte Recht behalten. Auch der AppStore gilt als riesiger Erfolg. Alles was Rang und Namen hat, will im AppStore vertreten sein, auch wenn es nur sehr, sehr wenige sind, die mit Applications für iPhone und iPod Touch wirklich nennenswert Geld verdienen.
Viele Verleger hoffen auf sprudelnde Umsätze
Nun also drängt der iPad in die Haushalte. Ein Gerät, mit dem man gemütlich auf der Couch sitzend surfen kann, Filme anschaut, Musik lauscht oder eben auch eBooks oder elektronische Zeitungen liest. Weil Apple-Benutzer gewohnt sind, für Inhalte Geld zu zahlen und das über Apple-Shops meistens auch einfach und bequem geht, ist die Hoffnung in der Tat nicht unbegründet, dass iPad-Benutzer auch für Lektüre Geld bezahlen: Sie werden öfter als sonst den "Kaufen"-Button drücken, spezielle iPad-Anwendungen kaufen oder elektronische Zeitungen, Zeitschriften und Bücher laden.
Apple hat an alles gedacht und mit dem iBook Store einen weiteren Onlineladen aufgemacht. Einen Laden, in dem man sich in erster Linie mit eBooks, Zeitungen, Zeitschriften und anderen kulturellen Gütern versorgen kann - freilich gegen Bezahlung. Rund 1,5 Millionen eBooks wurden bereits über den iBook Store verkauft: Damit hat statistisch jeder iPad-Benutzer schon 1,5 eBooks gekauft. Nicht schlecht für den Anfang, vor allem wenn man bedenkt, dass Computerbenutzer heute gewohnt sind, für Inhalte eigentlich nichts zu bezahlen.
iPad verändert die Mediennutzung zu Hause
Es darf wohl als sicher gelten, dass es Apple gelingt, mit dem iPad die Mediennutzung zu Hause zu verändern. Der iPad war kaum auf den Markt, da haben schon einige Hersteller alternative Geräte angekündigt, die so ähnlich aussehen wie das iPad und auch so ähnlich funktionieren sollen - aber natürlich nicht wirklich ähnlich sind. So, wie das iPhone den Weg geebnet hat für kostenpflichtige Anwendungen, die man aufs Handy lädt, dürfte auch das iPad den Weg ebnen für kostenpflichtige Anwendungen und vor allem Inhalte für zu Hause.
So gesehen sind die Hoffnungen der Verleger nicht unbegründet - allerdings dürften diese Hoffnungen etwas überhöht sein. Denn auch ein iPad kann den rapiden Verfall von Druckauflagen und Werbeeinnahmen nicht wirklich ausgleichen, sondern bestenfalls ein wenig abfedern. Natürlich: Es geht auch um Trends und darum, neue Märkte aufzutun.
Befürchtung: Apple könnte den Medienmarkt beherrschen
Aber zu welchem Preis? Im Fall von Apple muss man klar sagen: Apple ist ein schwieriger Partner. Das merken bereits die - ansonsten nicht gerade schüchternen - Musiklabels, denen es durch die Bank nicht gelingen will, sich gegen iTunes durchzusetzen. Jeder Versuch ist bisher kläglich gescheitert. Ist ein Onlineshop wie iTunes oder nun iBook Store erst mal etabliert, wird es schwierig, etwas dagegen zu positionieren.
Neben der Tatsache, dass Apple schon bald den Markt für eBooks, Zeitungen und Zeitschriften kontrollieren könnte und im Zweifel sogar bestimmt, wer überhaupt ins Programm aufgenommen wird und wer nicht (und zu welchen Konditionen), langt Apple auch kräftig zu: Bei jedem Verkauf fallen erhebliche Gebühren an. Die Verlage müssen also teilen: und zwar Macht und Umsatz. Sie verlieren an Einfluss. Es wird sich zeigen, wie viel jeder einzelne Verleger bereit ist aufzugeben - um dabei zu sein, wenn der Onlinemarkt für Inhalte dann doch boomt.
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