Mittwoch, 08. Februar 2012

Thema des Monats

Wieder verstärkt in der Kritik: So genannte "Killerspiele" (03.04.2009)

(Diskutieren Sie mit - am Seitenende!)

Seit dem schrecklichen Amoklauf in Winnenden ist wieder häufiger der Begriff "Killerspiele" zu hören, meist verbunden mit der Forderung nach einem Komplettverbot solcher Spiele. Spielefans bemerken völlig zu Recht, dass der Begriff an sich bereits eine Wertung darstellt, denn ein Spielgenre "Killerspiele" gibt es eigentlich gar nicht. Wenn Politiker und Kritiker von Killerspielen sprechen, meinen sie meist Spiele, die zum Genre der "Egoshooter" gehören, auch "First Person Shooter" genannt.

Spielgeschehen aus der Egoperspektive

Werbung für das Spiel Unreal Tournament auf der Games Convention 2007; Rechte. Internet-ABC

Unabhängig von der Bezeichnung fragen sich viele besorgte Eltern, um welche Art von Spielen es sich da eigentlich handelt. Egoshooter sind Computer- und Konsolenspiele, in denen der Spieler den gesamten Spielverlauf aus der Perspektive der Spielfigur sieht (Egoperspektive). Der Spieler kann sich umschauen, herum laufen oder auch Gegenstände aufnehmen, einsammeln und einsetzen, vor allem Waffen. Das erklärt das "Ego", von "Shootern" ist die Rede, weil in diesen Spielen unbestreitbar auch viel geballert wird, vor allem auf andere Spieler, die es auszuschalten gilt. In der englischsprachigen Welt wird eher von "First Person Shootern" gesprochen.

Keine Frage: Bei Egoshootern geht es in der Regel nicht gerade friedfertig zu. Es geht darum, den Spielgegner aufzuspüren und auszuschalten - mit Waffengewalt. Die bekanntesten Spiele dieses Genre sind Counter Strike, Half Life und Doom. Allesamt Spiele, die schon lange auf dem Markt sind. Während des Spielverlaufs fließt und spritzt auch Blut, und natürlich ruft niemand vorher "Hände hoch!". Es geht bei den Spielen um Tempo, Taktik und Geschicklichkeit, aber auch Nervenkitzel und Teamwork. Alle Egoshooter lassen sich auch im Team spielen. Die Spieler verabreden sich dann untereinander, etwa über Headsets, wie sie vorgehen wollen. Nahezu alle Spieler berichten, dass solche Spiele im Team am meisten Spaß machen.

Umstritten, ob Gewaltbereitschaft erhöht wird

Niemand bestreitet, dass es bei Egoshootern durchaus zu Gewaltdarstellung kommt. Allerdings sind diese Gewaltdarstellungen eher mit den heute leider durchaus üblichen Szenen in Kino- und Fernsehfilmen vergleichbar. Mit dem Unterschied allerdings, dass der Spieler selbst den virtuellen Abzug bedient. Ob solche Spiele deshalb die Gewaltbereitschaft im realen Leben fördern, ist wissenschaftlich umstritten. Das Spektrum der diskutierten Wirkung ist breit, einige Studien attestieren solchen Spielen "keinerlei Auswirkung" auf das reale Leben, andere messen eine gewisse Aggressionssteigerung bzw. Verrohung, wieder andere halten solche Spiele sogar geeignet für Aggressionsabbau (Katharsiseffekt).

Dennoch: Alle Amokläufer der vergangenen Jahre haben solche Spiele gespielt. Ohne Ausnahme. Was allerdings auch nicht weiter verwundern kann, da ohnehin vorhandene Gewaltphantasien durch Egoshooter zweifellos beflügelt werden. Die Frage nach Ursache und Wirkung ist bislang jedoch nicht wirklich befriedigend beantwortet. Viele Fachleute sehen die Gewaltdarstellung in solchen Spielen mit einem so genannten Wirkungsrisiko verbunden, bei bestimmten Gruppen oder Personen können diese in Verbindung mit anderen Faktoren zu erhöhter Gewaltbereitschaft oder aggressivem Verhalten führen.

Verantwortung der Eltern

Kritiker führen ins Feld, dass in der amerikanischen Armee First Person Shooter eingesetzt werden, um die Tötungshemmung zu reduzieren. Das sind also zweifellos Killerspiele - oder besser: Killer-Trainingsprogramme. Aber wer Egoshooter so bezeichnet, macht es sich ein bisschen zu einfach. Natürlich muss sichergestellt sein, dass Kinder und Jugendliche zu solchen Spielen keinen Zugang haben. Allerdings muss man sich auch Gedanken darüber machen, wie sich ein Verbot für Jugendliche unter 18 Jahren auch konsequent umsetzen lässt, da man über das Internet jedes Programm in Sekunden laden kann und ein Verbot alleine deshalb eine trügerische Sicherheit vorgaukelt, aber das Problem nicht wirklich löst.

Was aber können und sollten Eltern tun? Da sind sich alle Medienexperten einig: Vor allem hinschauen. Eltern müssen sich einen Eindruck davon verschaffen, was ihre Kinder auf dem Computer, an der Spielekonsole spielen - und zwar regelmäßig. So kann es auch nicht schaden, das ein oder andere Spiel auch mal mitzuspielen, denn so bekommt man nicht nur ein besseres Gefühl für die verschiedenen Spielgenres, sondern wird auch als Gesprächspartner ernster genommen. Außerdem sollten Eltern nicht nur die Art der verwendeten Spiele kontrollieren, sondern natürlich auch die Zeit, die mit solchen Spielen verbracht wird.

Diesen Beitrag empfehlen

 

Bewertung des Artikels

(ein Stern = nicht so toll, 5 Sterne = spitze!)

Durschnittliche Bewertung:

0 Sterne

0 Bewertungen

Ihre Bewertung:

 

Kommentar

Name:



Titel:



Kommentar:





zurück

Zum türkischen Bereich
Logo zum Safer Internet Day 2012; Rechte: klicksafe.de

Gemeinsam spielen - gemeinsam lernen!
Zum Safer Internet Day am 7. Februar 2012: Mit dem Internet-ABC das Internet generationsübergreifend erkunden!

weiter

 

Service & Presse

 

RSS

 

Mitglieder

 

Über uns / About us

 

E-Mail an die Redaktion

E-Mail an die Redaktion

 


Newsletter abonnieren


Schirmherrschaft: www.unesco.de
 
www.klicksafe.dewww.seitenstark.de

Themen

Online-Communitys  Computerspiele  Jugendschutz  Mobbing  Lernsoftware  Schule  Spieletipps