Der besondere Link
Alles über die Steinlaus (01.12.2008)

Manchmal reicht ein einziger Fernsehauftritt, um berühmt zu werden. Der Steinlaus ist genau das gelungen: 1976 präsentierte Loriot das fiktive Nagetier in einem Fernsehsketch. In der Parodie sollte der damals beliebte Fernseh-Zoologe Bernhard Grzimek auf den Arm genommen werden. Die mikroskopisch kleine Steinlaus - wissenschaftlicher Name: "Petrophaga lorioti" - wurde zum Star.
1982 nahm sogar das medizinische Wörterbuch "Pschyrembel" einen fingierten Artikel in sein Standardwerk für Mediziner auf. Seither gilt die Steinlaus als Paradebeispiel des wissenschaftlichen Witzes. In der 257. Auflage wurde das Stichwort allerdings wieder getilgt. Die Redaktion befürchtete, mit solchen Einträgen den Ruf des Nachschlagewerks zu schädigen.
Doch dank unerwartet heftiger Leserproteste wurde die Steinlaus danach wieder ins Nachschlagewerk aufgenommen. Der Leser erfährt von neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen, die die Steinlaus mit dem Fall der Berliner Mauer in Verbindung brachten. Auch die Gefahr, die Steinläuse für den Denkmalschutz darstellen - immerhin soll sie einen Tagesbedarf von etwa 28 Kilogramm Beton und Ziegelsteinen haben und gelegentlich auch Eisenträger nicht verschmähen -, wurde wissenschaftlich erörtert.
Aber die Lebensbedingungen für die Steinlaus verschlechtern sich immer mehr. Überall wird ihr wertvoller Lebensraum entzogen, sie kann kaum noch tun, was sie am besten kann: Steine nagen und verputzen.
Dafür hat das laut Loriot "kleinste Nagetier der Welt" nun ein eigenes Weblog. Unter www.die-steinlaus.de können Liebhaber jederzeit nachschlagen, wenn sie etwas über das "possierliche Tierchen" erfahren wollen. Nirgendwo erfährt man mehr über die Steinlaus, in Wort und Bild - und per Video, natürlich auch von Loriot. Hinter dem Weblog steckt der Wissenschaftsverlag de Gruyter, Herausgeber des "Pschyrembel".
Das Weblog will nicht nur den enorm angewachsenen Wissensstand zur der lebenden Steine verzehrenden Legende dokumentieren. Es ruft auch die vielen, bisher im Verborgenen forschenden Wissenschaftler auf, die Welt an ihren neuesten Ergebnissen teilhaben zu lassen. Folglich kann jeder mitmachen und eigene Forschungsergebnisse mitteilen. Es gibt einen Wettbewerb für die besten Beiträge. Eine Jury kürt später die besten Ideen.










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