Dienstag, 07. Februar 2012

Newsletter Nr. 20

Die Täter

Mobber wollen nur eines: Sie wollen ihre Stellung in der Gruppe festigen und damit ihr Selbstwertgefühl steigern. Indem sie wehrlose Opfer einschüchtern und ihnen immer mehr Angst einjagen, demonstrieren sie ihre Stärke und ihre Macht. Mobber sind selbstsicher und dominant. Entsprechend aggressiv gehen sie gegen andere vor.

Beim Cybermobbing haben die Täter noch größere Möglichkeiten als beim Mobben im realen Leben. Sie "profitieren" von allem, worunter die Opfer besonders leiden: der Anonymität des Internets, dem  unbeschränkten Zugang zum Medium und dem Mangel an Kontrolle. Wissenschaftler sprechen von einem "Online-Enthemmungseffekt" (= disinhibition):

  • Die Mobber befinden sich in unkontrollierten virtuellen Räumen ohne erwachsene Autoritäten und können ihre Gemeinheiten leichter unbeobachtet begehen.
  • Die Täter fühlen sich sicher, weil sie glauben, dass sie für ihre Bosheit nicht einstehen müssen.
  • Da das Opfer nicht präsent ist und seine Leiden nicht zu beobachten sind, entfällt der letzte Rest von Empathie.
  • Mobben in der Gruppe ist einfacher möglich und wird im digitalen Raum als "Spiel" empfunden.
  • Das Mobben ist "erfolgreicher", weil es meist sofort einer großen Öffentlichkeit bekannt wird.
  • Der Täter bleibt anonym, muss also mit weniger Konsequenzen rechnen.

Das Ministerium für Kinder, Schulen und Familien hat einen Film in Auftrag gegeben, der helfen soll, Kinder und Jugendliche für die Kränkungen und den Schaden zu sensibilisieren, die durch Cybermobbing verursacht werden. Der Film "Let's fight it together" ist preisgekrönt. Er ist sieben Minuten lang, auf englisch mit deutschen Untertiteln und wird von einer Website begleitet, auf der es auch Interviews mit den Schauspielern gibt, die die klassichen Rollen spielen: das Opfer, der Täter, der Mitläufer. "Let's fight it together" ist im Internet zu sehen. Umfassende Informationen finden sich auch im Flyer "Cyberbullying", den das ServiceBureau Jugendinformation in Bremen herausgibt.

Viele Mitläufer ...

Mobbing und Cybermobbing sind selten eine Angelegenheit zwischen zwei Einzelnen. In der Regel hat der Mobber eine Clique hinter sich. Die/der Gemobbte ist häufig allein, weil niemand in den Konflikt hineingezogen werden will, weil niemand sich einsetzen will für ein Opfer - schließlich ist "Opfer" eines der verbreitetsten Schimpfworte unter Jugendlichen.

Mobbing betrifft aber nicht nur die, die selbst mobben oder gemobbt werden. Mobbing geht alle an, die davon wissen. Es reicht schon, wenn man mitbekommt, dass jemand gemobbt wird. Dann ist man Mobbing-Zeuge. Mobbing-Zeugen sind nicht nur Klassenkameraden und Freunde; auch viele Lehrer sind Mobbing-Zeugen.

Es gibt Mobber, die andere zum Mitmachen anstiften. Wer sich von ihnen anstecken lässt oder aus Angst, selbst gemobbt zu werden, mitmacht oder zusieht und nichts dagegen unternimmt, ist ein Mobbing-Mitläufer.

... und Überschneidungen

2008 gab es in den USA einen aufsehenerregenden Prozess gegen eine 49-jährige Frau, die ein 13-jähriges Mädchen aus der Nachbarschaft in den Selbstmord getrieben haben soll. Die Frau hatte sich auf der Internetplattform MySpace als 16-jähriger Junge ausgegeben und mit dem Mädchen geflirtet. Als es sich in den "Traumboy" verliebte, begann die Frau, das Mädchen zu beleidigen und mit immer bösartigeren Nachrichten zu traktieren. "Ohne dich wäre die Welt besser" soll schließlich die ausschlaggebende Beleidigung gewesen sein, nach der sich das Mädchen schließlich erhängte.

So weit, so schrecklich. Doch die Rache folgte auf dem Fuß, und auch sie kam via Internet. Dank tatkräftiger Unterstützung der Mutter des Mädchens gelangte die Adresse der Verdächtigen samt sämtlicher persönlicher Daten in die Hände von Bloggern, die sie veröffentlichten. Daraufhin begann die Hexenjagd: Nachbarn warfen die Scheiben ein, Kunden stornierten Aufträge, die Tochter der Verdächtigen musste die Schule und den Wohnort wechseln.

Ein besonders krasser Fall, zugegeben. Allerdings haben Untersuchungen in anderen Ländern gezeigt, dass Cybermobber häufig auch selbst gemobbt werden. Das heißt: Wer auf elektronischem Weg mobbt, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit selbst auch Opfer.

Die englischsprachige Website "Stop Cyberbullying" hält - nach Altersgruppen unterteilt - Tipps für Kinder und Jugendliche bereit. Unter anderem gibt es einen Fragebogen, mit dem man ermitteln kann, ob man selbst auch Täter ist.

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