News
Sozialer durch soziale Netzwerke?
Aktuelle Studien aus den USA und Deutschland belegen, dass soziale Netzwerke aktiv reale Kontakte fördern
(02.02.2011)

Das Web verändert die Welt, nicht nur die weltliche. Zur Überraschung vieler hat selbst Papst Benedikt XVI. die sozialen Netzwerke für sich entdeckt. Gerade erst hat er Facebook, Twitter und Co. in einer "Wahrheit, Verkündigung und Authentizität des Lebens im digitalen Zeitalter "überschriebenen Botschaft seinen Segen gegeben und ausdrücklich auf die Chancen sozialer Netzwerke hingewiesen. Allerdings nicht, ohne auch mahnende Worte loszuwerden: Virtuelle Freundschaften könnten niemals echte Begegnungen zwischen Menschen ersetzen.
Soziale Netzwerke fördern auch soziale Kontakte
Zweifellos richtig. Aber das sehen die meisten Nutzer von sozialen Netzwerken offensichtlich ohnehin so. Wie aktuelle Studien aus USA und Deutschland belegen, sorgen soziale Netzwerke eben nicht nur für Online-Freundschaften, häufig im großen Stil, sondern fördern aktiv reale Kontakte. Ein Kernbotschaft der Studien: Wer online Beziehungen knüpft, der verzichtet darauf im realen Leben nicht etwa, sondern intensiviert diese Beziehungen sogar.
Womöglich haben die Kulturpessimisten doch Unrecht, die immer wieder behaupten, dass Computer und soziale Netzwerken praktisch automatisch in die soziale Vereinsamung führen müssen. Diese Annahme scheint ein Vorurteil, eine unbegründete Sorge zu sein. Konkret resümiert die "The social side of the internet" getitelte Studie des renommierten US-Sozialforschungsinstituts PEW: Wer sich intensiv online vernetzt, hat auch im echten Leben mehr Sozialkontakte - und nutzt diese auch. Es geht nicht um Stattdessen, sondern um Sowohl-als-auch.
Vor allem für Jugendliche unverzichtbar
Die Begründung ist einleuchtend: Die Verwendung sozialer Netzwerke sei vor allem bei Jugendlichen heute derart selbstverständlich, vor allem innerhalb von Gruppen, dass eine Kommunikation ohne diese noch relativ jungen Technologien praktisch nicht mehr denkbar ist. Für die meisten Jugendlichen stellt sich daher eigentlich gar nicht mehr die Frage, ob sie in sozialen Netzwerken präsent sein wollen - sie müssen es, wollen sie nicht komplett von der Kommunikation ausgeschlossen sein.
Alle Experten sind sich einig, dass der Begriff "Freundschaft" in sozialen Netzwerken verwässert, da praktisch jeder Kontakt als "Freundschaft" bezeichnet wird. Darüber sind sich die Jugendlichen aber im Klaren. Sie halten über die sozialen Netzwerke Kontakt zu vielen und nutzen diese Kommunikationsmöglichkeiten, um Kontakte im realen Leben zu organisieren. Doch längst nutzen nicht nur Jugendliche soziale Netzwerke. Auch Erwachsene knüpfen online Kontaktakte, halten Kontakte zu Freunden oder Kollegen aufrecht oder suchen schon mal nach ehemaligen Schulkammeraden. Soziale Netzwerke erleichtern das - und fördern so eben auch ein echtes Zusammentreffen.
"Web-Nutzer sind sozialer"
"Web-Nutzer sind sozialer", meinen die Forscher und liefern konkrete Zahlen, die Skeptiker erstaunen dürften: Rund 75 Prozent aller Amerikaner nehmen heute an organisierter gemeinnütziger Tätigkeit teil, ob in Sportvereinen oder indem sie sich freiwillig engagieren. Interessant ist der Unterschied zwischen vernetzten und nicht vernetzten Amerikanern: Die Studie weist sozialen Netzwerken eine besondere Bedeutung bei der Organisation zu. Während sich 80 Prozent aller Internetbenutzer sozial engagieren, sind es nur 56 Prozent aller Amerikaner, die nicht online gehen. Web und soziale Netzwerke fördern es also, sich auch im sogenannten richtigen Leben sozial zu betätigen.
Einzelne Studien der Bundesregierung wie der "Freiwilligensurvey 2010" kommen zu ganz ähnlichen Ergebnissen: Demnach hat die Zahl der Menschen, die sich sozial engagiert, in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Die meisten nutzen Onlinedienste und soziale Netzwerke, um sich zu organisieren und auszutauschen. Es gibt demnach einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Nutzung moderner Medien und der Bereitschaft zum sozialen Engagement.
Aufschlussreiche Erkenntnisse, die man im Hinterkopf behalten sollte, wenn wieder mal die Gefahren oder Risiken der Onlinewelt im Allgemeinen und der sozialen Netzwerke im Besonderes zur Sprache kommen.
Weitere Informationen
- Studie "The Social Side of the Internet"
- Hauptbericht des Freiwilligensurveys 2009 - Zivilgesellschaft, soziales Kapital und freiwilliges Engagement in Deutschland 1999-2004-2009
(Ein Beitrag von Jörg Schieb)
Ihre Meinung ist gefragt!
Bewertung dieses Artikels
(ein Stern = nicht so toll, 5 Sterne = spitze!)
Durschnittliche Bewertung: | ![]() | 2 Bewertungen |
Ihre Bewertung: |
Ihre Meinung zu diesem Thema
Apologus | Korrelation oder Kausalität | 15.02.2011 15:19
"Web-Nutzer sind sozialer" - dies Aussage sagt zunächst überhaupt nichts darüber aus, ob man durch soziale Netzwerke auch sozialer wird. Genauso gut könnte es auch sein, dass das Web 2.0 eher von Menschen genutzt wird, die eh sozial engagiert sind. Geben die Studien das denn wirklich her? Dazu müssten es ja Langzeitstudien sein, die eine Veränderung bei den Nutzern nachweisen! So gerne ich daran glauben würde, aber das klingt mir sehr nach einem zu einfachen Deutungsmuster, dass wir sonst in der Killerspieldebatte sehen: "Siehst, der Amok-Täter hat Counterstrike gespielt. Also macht Counterstrike aggressiv!" Das ist mir zu einfach.












Verdächtige Seiten
Die wichtigsten Fragen
Sitemap
Impressum




