Mittwoch, 08. Februar 2012

Computerspiele und Jugendschutz

Spielen? Aber sicher!

Die Spieletipps des Internet-ABC

(Dieser Artikel von Michael Schnell erschien in der Zeitschrift "politik und kultur" des Deutschen Kulturrats, Juli-August 2007, S. 12 f., als Nachdruck in der Publikation "Streitfall Computer", herausgegeben v. Olaf Zimmermann und Theo Geißler, S. 76 ff. und in der Zeitschrift Kidslife 04/2007. Alle Angaben beziehen sich auf die Website des Internet-ABC im Mai 2007.)

Kinder spielen für ihr Leben gern, Spielen ist cool und Spielen macht Spaß! Und auch Eltern haben ihre Freude daran, wenn sie feststellen, dass ihre Kinder so richtig in einem Spiel aufgehen - zumindest wenn dieses Spiel draußen, an der frischen Luft und mit Freunden stattfindet oder wenn eine, in den Augen der Eltern hohe kreative Leistung abgerufen wird (zum Beispiel beim Basteln).

Anders sieht es meist aus, wenn ein Bildschirm hinzukommt: Spielen am PC, an einer großen oder kleinen Konsole erscheint vielen Eltern weniger förderlich für das Kind und ist mit einer Reihe von Ängsten verbunden. Macht das Spielen vor dem Bildschirm nervös? Macht es dick und faul? Was passiert mit meinem Kind, wenn es ein gewalttätiges Spiel "zockt"? Kann mein Kind spielsüchtig werden?

Richtig ist sicherlich: Bewegung ist wichtig, ebenso wie das gemeinsame Erleben des Spielens mit Freunden. Genauso richtig ist aber auch: Für die meisten Kinder gehört der Computer bereits zum Alltag. 81 Prozent der Kinder zwischen sechs und 13 Jahren besitzen bereits Computererfahrung, ein Großteil nutzt den PC mindestens ein- oder mehrmals in der Woche. Ihre Lieblingsbeschäftigung am Computer ist - richtig - das Spielen (KIM-Studie 2006). Hinzu kommen die obengenannten Konsolen.

Kinder strikt von jeglichen Bildschirmen und Tastaturen fernzuhalten, ist eine mögliche, aber sicherlich wenig realitätsnahe Lösung. Wie in fast allen Lebenslagen geht es auch beim Computerspielen um das "richtige" Maß und die "richtige" Begleitung der Nutzung durch Eltern und Erzieher. Das Spielen am Bildschirm soll kein Fußballspiel und kein Basteln ersetzen, sondern kann den Spielalltag der Kinder ergänzen. Und das durchaus sinnvoll! Woher weiß ich jedoch als Erwachsener, welches Spiel für mein Kind geeignet ist?

Über 530 Spieletipps

Hier hat das Internet-ABC (www.internet-abc.de) eine eine ganz besondere Hilfestellung zu bieten. Das Internet-ABC ist ein spielerisches und sicheres Onlineangebot für den Einstieg ins Internet, ein Ratgeber für die ersten Gehversuche im World Wide Web. Die werbefreie Plattform ist zweigeteilt: Es gibt einen Bereich für Eltern und Pädagogen und einen Bereich für Kinder, der derzeit komplett überarbeitet wird und sich künftig an Sieben- bis Zwölfjährige wendet. Das Projekt, das unter der Schirmherrschaft der Deutschen UNESCO-Kommission steht, wird initiiert von dem gemeinnützigen Verein Internet-ABC, dem 12 Landesmedienanstalten angehören.

Die Rubrik "Rund um's Netz" des Eltern- und Pädagogenbereichs bietet eine Reihe grundlegender Informationen zu den Themen Computer und Internet. Hier finden sich auch die "Spieletipps", also Empfehlungen für Computer- und Konsolenspiele - vom PC über die Xbox, den Gamecube und Playstation bis hin zu Gameboy und DS. Derzeit befinden sich über 530 Empfehlungen in der Datenbank - und Monat für Monat kommen aktuelle hinzu.

Das Besondere daran: Es handelt sich bei den Spieletipps um eine Positivliste. Das heißt: Bewertet wird lediglich Software, die ein Kind unter Berücksichtigung des Alters bedenkenlos spielen kann und die zudem ein gehöriges Maß an Qualität in sich birgt! Darin besteht der Unterschied zu den zahllosen Rezensionen in Computerspiel-Zeitschriften. Sogenannte "Killerspiele" oder Spiele mit moralisch bedenklichem Hintergrund sind hier ebensowenig vertreten wie Spiele, die kaum Spielspaß aufkommen lassen und technisch mangelhaft sind. Zudem werden lediglich solche Spiele geprüft, die dem Zielpublikum des Internet-ABC entsprechen: Kinder bis 12 Jahre und die Eltern bzw. die Betreuer/Pädagogen dieser Kinder, so dass zwar Spiele ab 12 gelegentlich mit aufgenommen werden, Games mit der USK-Einstufung "ab 16" hingegen nicht mehr.

Die innerhalb dieses "positiven" Bereichs selbstverständlich vorhandenen qualitativen Unterschiede dieser Spiele werden an den Kategorien Spielspaß, Bedienung und Technik festgemacht: Ist das Spiel liebe- und phantasievoll, witzig und außergewöhnlich gestaltet? Wie lange bleibt der  Spielspaß erhalten? Ist die Steuerung durch Tastatur, Maus, Pad oder Stift problemlos möglich? Hat das Spiel technische Fehler, so genannte Bugs, die den Spielfluss hemmen oder gar stoppen?

Jedes einzelne Spiel wird ausführlich von bekannten Spezialisten geprüft. Dazu gehören im Einzelnen: die Journalistin  Ute Diehl von "bildungsklick.de", die mit ihrem Redaktionsbüro Diehl jährlich den Software-Preis Giga-Maus organisiert; Jürgen Hilse, ständiger Vertreter der Obersten Landesjugendbehörden (OLJB) bei der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK), Berlin; der Journalist Thomas Feibel, der zusammen mit einer Zeitschrift für Eltern und Kinder den deutschen Kinder-Software-Preis TOMMI verleiht.

Nach dem inhaltlichen und technischen Test werden die Spiele einem oder mehreren Genre(s) zugeordnet: Action und Adventure, Detektivspiele, Jump'n'Run, Lernspiele, Quiz und Denkspiele, Rollenspiele, Simulation/Sport und Simulation/Strategie.

Eine praktische Hilfe für alle Eltern und Pädagogen stellt auch die Empfehlung dar, ab welchem Alter das Spiel geeignet ist. Neben der "offiziellen" Altersangabe, der Einstufung durch die Unterhaltungssoftware-Selbstkontrolle (USK), liefert das Internet-ABC noch eine eigene Einschätzung - einerseits weil die die Spanne zwischen 6- und 12-Jährigen zu groß ist; andererseits fließen hier nicht nur jugendschutzrelevante Aspekte ein. Vielmehr berücksichtigt die Altersempfehlung des Internet-ABC auch den inhaltlichen und technischen Anspruch eines Spiels.

Eine praktische Suchmaschine hilft, Spiele gesondert nach Genre, Systemanforderung (PC, Konsole etc.), nach dem Erscheinungsjahr, dem Alter des Kindes und dem Preis zu finden.

Im übrigen bietet das Internet-ABC eine ähnliche Auswahl für den Bereich Lern-Software an. Von Lernprogrammen bis zu digitalen Lexika kann hier alles recherchiert werden, was direkt auf Bildung abzielt.

Regeln vereinbaren und mitspielen!

Die "Spieletipps" des Internet-ABC alleine garantieren natürlich noch keine sorgenfreie Bildschirm-Freizeit der Kinder. Faszinierender ist für sie manchmal durchaus das Verbotene. Der große Bruder des besten Freundes gibt schon mal leichtfertiger ein Spiel aus der Hand, das für die Jüngeren alles andere als geeignet erscheint. Wichtig für Eltern und Pädagogen ist es daher, nicht nur zu verbieten und passende Spiele herbeiszuschaffen, sondern sich auch mit den Kindern intensiv über das Zocken am Bildschirm auszutauschen.

Probespielen lohnt sich - finden Sie heraus, welche Computerspiele Ihre Kinder gern spielen. Wer selbst die Maus in die Hand nimmt, wird besser nachvollziehen können, was Kinder an  Computer- oder Konsolenspielen fasziniert. Es ist zu empfehlen, dass Eltern und Erzieher sich mit jüngeren Kindern gemeinsam vor den Bildschirm setzen. So können sie Fragen beantworten und die Spiele erklären - oder sich erklären lassen.

Trotz aller Gespräche wird es immer wieder vonnöten sein, klare Regeln zu vereinbaren. Kinder sollten wissen, dass sie am Computer nicht alles spielen oder gar zeitlich unbegrenzt vor dem Bildschirm sitzen dürfen. Gemeinsam mit ihnen sollte geklärt werden, wie Regeln aussehen könnten. Hierbei ist es hilfreich, die Gründe für gewisse Einschränkungen und Reglementierungen zu erläutern, und gleichzeitig Kontrolle und Freiheiten in ein richtiges, individuelles Verhältnis zu setzen.

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