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Wie viel Google Streetview wollen die Deutschen?
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(22.09.2011)

Wie war das eigentlich, als es noch keine Onlinekarten gab und nicht Routenplaner die kürzeste Strecke von A nach B berechnet haben, sondern sie jeder Autofahrer selbst austüfteln musste? Lange scheint's her… Seitdem uns Google, Bing und andere Anbieter online mit Karten jeder Art versorgen, verstauben gedruckte Pläne im Regal. Kein Wunder, schließlich sind Onlinekarten praktisch, jederzeit verfügbar, kostenlos und bieten zahlreiche nützliche Extras.
Neun Kameras sorgen für 360-Grad-Panoramaansichten
Eine der vielleicht interessantesten Erweiterungen in diesem Segment hat sich Google einfallen lassen. Im Sommer 2007 hat Google mit "Streetview" etwas eingeführt, was es vorher nicht gegeben hat - und sich damit zumindest in Deutschland eine Menge Ärger eingehandelt. Google Streetview bietet 360-Grad-Panorama-Ansichten von Orten und Städten auf dem PC. Durch ein ausgeklügeltes Aufnahmeverfahren ist es möglich, dass sich Benutzer im wahrsten Sinne des Wortes woanders umschauen, bei Interesse Details heran zoomen und Schritt für Schritt durch eine Straße flanieren.
Google betreibt einen enormen Aufwand, um die Panoramabilder bereitzustellen. Der Internetdienst schickt diverse Autos durchs Land, die auf dem Autodach mit einem Kamerablock ausgestattet sind und mehr oder weniger jedes Haus fotografieren. Dazu sind neun Kameras auf dem Autodach montiert, in 2,90 Meter Höhe. Teilweise werden auch Fahrräder benutzt, auf Straßen, die öffentlich zugänglich, für Autos aber ungeeignet oder nicht befahrbar sind. Auf diese Weise sollen alle öffentlich erreichbaren Orte abgebildet werden.
Projektstart in Deutschland hat für großes Aufsehen gesorgt
Gestartet ist Streetview in den USA. Seit 2008 rollen auch Autos durch deutsche Straßen. Als Google im Sommer 2010 angekündigt hat, auch eine Auswahl deutscher Städte in Streetview abzubilden, ist eine Welle der Empörung ausgebrochen. Viele Deutsche fürchteten um ihre Privatsphäre, wenn jeder online die Hausfassade anschauen kann. Einige Kritiker haben den Eindruck erweckt, in Google Streetview könne man mehr oder weniger in die Wohnungen hineinschauen. Allerdings reicht dazu weder die Auflösung von Streetview, noch ist das Ziel des Onlinedienstes.
Google war vom Sturm des Widerstands überrascht, denn bislang gab es vergleichbare Probleme in keinem Land der Welt. Schon früh hatte sich Google verpflichtet, Gesichter unkenntlich zu machen und Autokennzeichnen zu verpixeln. Nachvollziehbare Forderungen, denn niemand muss wissen, wo ein bestimmtes Auto parkt oder wer zum Zeitpunkt einer Fotoaufnahme vor einem Gebäude steht.
Möglichkeit zum Widerspruch: Verpixeln auf Antrag
Häuserfassaden jedoch sind für die Allgemeinheit öffentlich einsehbar. Sollten sie dann nicht auch problemlos online darstellbar sein? Dazu gibt es unterschiedliche Ansichten. Grundsätzlich gilt das Recht auf so genannte "Panoramafreiheit": Jedes öffentlich einsehbare Gebäude darf fotografiert und die Aufnahme veröffentlicht oder wirtschaftlich verwertet werden, auch ohne die Hausbesitzer um Erlaubnis zu bitten und auch ohne sie finanziell zu entschädigen. Zwei Dinge sind allerdings strittig: Da Google die Aufnahmen aus 2,90 Meter Höhe anfertigt, stellt sich die Frage, ob es sich um Fotoaufnahmen ohne Hilfsmittel handelt (also quasi oberhalb des allgemeinen Sichtfelds) und ob eine Komplettabdeckung im Internet nicht prinzipiell etwas anderes sei.
Google hat sich 2010 mit Kritikern und Datenschützern geeinigt und in Deutschland vorab eine Möglichkeit zum Widerspruch eingeführt. Hausbesitzer und Mieter konnten schon vor Veröffentlichung beantragen, dass Hausfassaden aus Streetview entfernt werden - eine bis dahin in keinem anderen Land praktizierte Einschränkung des Dienstes. Auch diese Praxis ist allerdings nicht ohne Folgen: Was, wenn ein Mieter, der eine Verpixelung beantragt hat, irgendwann auszieht? Ein Aufheben der Verpixelung ist bei Streetview nicht vorgesehen. Einmal verpixelt, immer verpixelt. Auch kann es passieren, dass der Ladenbesitzer im Erdgeschoss gerne in Streetview abgebildet wäre, der Mieter im ersten Stock aber nicht - in diesem Fall wird das komplette Gebäude verpixelt.
Auch andere Onlinedienste bieten Verpixelung - in Deutschland
Mittlerweile bietet auch Microsoft bei seinem vergleichbaren Onlinedienst Bing Streetside eine Möglichkeit zum Widerspruch an, auch hier sollen die Hausfassaden verpixelt werden. Bing Streetside soll noch im Herbst 2011 an den Start gehen. Allerdings meldet Microsoft deutlich weniger Widersprüche als seinerzeit Google.
Aufgrund der starken Widerstände in Deutschland hat Google im April 2011 mitgeteilt, vorerst keine weiteren Städte und Orte in Deutschland ins Angebot zu nehmen. Selbst eine Aktualisierung der Inhalte und Bilder sei nicht geplant, erklärt Google. Allerdings dürfte hier noch nicht das letzte Wort gesprochen sein: Google hat derzeit seinen Focus verlagert. Wenn Streetview wirtschaftlich erfolgreich ist, dürften die Angebote weiter ausgebaut werden, auch in Deutschland.
Es ist absehbar, dass Onlinedienste wie Streetview und Streetside verstärkt auch in Navigationssystemen zum Einsatz kommt oder Benutzer gleich Smartphones und Tablet-PCs für die Navigation verwenden. Spätestens dann ist eine lückenlose Abdeckung wichtig und spätestens dann wird Google seine Zurückhaltung sicher wieder aufgeben.
[Ein Beitrag von Jörg Schieb]
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Wie sehen Sie heute die Aufregung um Google Streetview?
christopher | hro | 02.10.2011 19:53
danke












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