Spiel des Monats (Dezember 2010)
Tales of Monkey Island






Beschreibung

Zwei Schiffe treffen sich auf hoher See, es kommt zum Kampf. Aber wer entert hier wen? Beide Schoner werden von Piraten gesteuert. Und an Gold und Edelsteinen ist keiner der beiden Kontrahenten interessiert. Sie kämpfen - wie könnte es anders sein - um eine Frau. Und damit sind auch schon die spielbestimmenden Figuren vorgestellt. Der Gute: Guybrush Threepwood, für einen Piraten von eher schwächlicher Statur, der aber niemals aufgibt. Er ist der Held und wird vom Spieler durch das Abenteuer in der Karibik gesteuert. Der Böse: LeChuck, ein untoter Geisterpirat mit übersinnlichen Fähigkeiten, der Guybrush loswerden möchte. Die Schöne: Elaine Marley, Gouverneurin verschiedener Inseln und seit Episode drei mit Guybrush verheiratet, meistens wird sie aber von LeChuck entführt, der sie seinerseits gern heiraten möchte.
Schrecklich unsterbliche Piraten

So kommt es zwar des Öfteren zu Säbelrasseln und Gefechten, aber immer kommen alle unbeschadet aus der Sache wieder raus. Klar, wenn der böse Untote nicht sterben kann und der gute Held für ein Happy End sorgen muss. Dabei verschlägt es ihn mal auf Inseln, auf denen er ein Schiff klarmachen und ungünstige Winde überwinden muss. Mal erkrankt Guy an Pocken und muss mithilfe der Inselbewohner ein Gegenmittel finden. So entspinnt sich ein klassisches Adventure-Spiel, bei dem der Spieler aufmerksam der Konversation mit den Figuren folgen, daraus Hinweise herauslesen und die richtigen Gegenstände sammeln und kombinieren muss. Das Spielniveau ist mittelschwer, allzu knifflige Aufgaben bleiben selten.
Mit Spielwitz und Atmosphäre

Die Dialoge sind durchweg witzig, stecken aber auch voll Ironie und Anspielungen. Und weil es im Spiel trotz Schwertkampf keine Toten gibt und die Spielszenen das Piratenleben so erfahrbar machen, sah sich die USK wohl in der Lage, "Tales of Monkey Island" ohne Altersbeschränkung zu empfehlen. Allerdings kann die Gags und humorvollen Dialoge nur voll würdigen, wer auch mit ironischen Untertönen zurechtkommt. Alle anderen gehen eben einfach auf Schatzsuche. So gesehen entfaltet das Spiel vielleicht für Kinder ab 12 Jahren seinen Sprachwitz - oder man spielt Monkey Island gleich mit der ganzen Familie.
Im Dschungel sind die Affen los

Für Atmosphäre im Spiel sorgt insbesondere die schräge Comic-Grafik. Die Charaktere sind liebevoll gezeichnet, die Landschaften und Szeneeinblendungen zeugen von feinster Comic-Kunst. Leider klappt es beim Bildaufbau mancher Szenen nicht reibungslos, das Bild bleibt dann verschwommen, was aber nicht allzu oft der Fall ist. Die Einheit aus Bild, Spielwitz, karibischen Klängen und der Geräuschkulisse - sei es in der Taverne oder im Dschungel - verschmilzt zu einer vereinnahmenden Atmosphäre.
Zeigefinger festhalten

Innovative Ideen verwirklichten die Spieledesigner bei der Steuerung der Figur. Wird die rechte Maustaste gehalten und über die Maus ein kurzer Impuls nach links gegeben, so läuft Guybrush so lange nach links, bis die Maustaste gelöst wird. Das funktioniert gut, um elegant um eine Ecke zu biegen, ermüdet die Hand auf Dauer aber doch. Dann übernimmt der Spieler die Pfeiltasten der Tastatur.
"Tales of Monkey Island" erschien in den USA 2009, wobei einzelne Episoden wie "Launch of the Screaming Narwhal" oder "The Siege of Spinner Cay" in wochenlangem Abstand per Internet verbreitet wurden. Auch auf der Wii sind die einzelnen Abenteuer zu haben. Die deutsche Synchronisation als DVD mit allen fünf Episoden zusammen ist seit November 2010 auf dem Markt. Damit ist "Tales of Monkey Island" das fünfte PC-Spiel mit dem Helden Guybrush Threepwood. Der erste Teil erschien 1990 bei Lucasarts. Seither hat "Monkey Island" eine große Fangemeinde erobert.
Fazit
"Tales of Monkey Island" ist witzig, steckt voller humorvoller Anspielungen und macht Riesenspaß. Die Comic-Grafik ist opulent und wirkt sehr atmosphärisch, einer Piratenkreuzfahrt in der Karibik absolut angemessen. An die Steuerung und gelegentliche Unschärfen im Bild gewöhnt man sich.










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