Dienstag, 07. Februar 2012

Thema des Monats

Wie viel Werbung ist noch in Ordnung? (15.10.2007)

Schild mit der Aufschrift "Bitte keine Werbung"; Rechte: Internet-ABC

Ein Internet, ganz ohne Werbung? Klingt erst mal verlockend. Keine blinkenden Banner, keine lästigen Popup- oder Popunder-Fenster. Und auch keine trickreich ins Layout integrierten Werbetexte, die beim Anklicken auf Onlineshops verweisen. Stattdessen: World Wide Web pur. Auf dem Bildschirm erscheinen ausschließlich Texte, Fotos und Videos, die man garantiert lesen oder sehen möchte. Ohne störende Reklame drum herum. Ein Traum, oder?

Ohne Werbung kaum Inhalte

Nicht unbedingt. Denn eins darf man nicht vergessen: Ohne Werbung würde das Angebot im Web schlagartig auf einen Bruchteil zusammenschrumpfen. Denn nur wenige, die im Internet hochwertige Inhalte bereitstellen, können oder wollen es sich leisten, auf Werbeeinnahmen vollständig zu verzichten. Denn einen Webserver zu betreiben, Webseiten zu gestalten und sie regelmäßig mit Inhalten zu füllen, ist mit reichlich Aufwand und damit Kosten verbunden. Werbeeinnahmen sind eine legitime Möglichkeit, diese Kosten aufzufangen - oder sogar etwas an der Arbeit zu verdienen.

Natürlich sind keineswegs alle Anbieter im Web darauf angewiesen, etwas zu verdienen. Wer eine Webseite aus "Spaß an der Sache" betreibt, schielt nicht auf eventuelle Werbeeinnahmen. Ähnliches gilt für alle, die nicht kommerziell denken müssen, etwa öffentlich-rechtliche Sender, Hochschulen, Verbände oder öffentliche Einrichtungen. Die kommen ohne Onlinereklame aus. Auch Onlineshops blenden in der Regel keine Werbung ein, schließlich wollen sie selbst etwas verkaufen und nicht von ihrem Warenangebot ablenken. Es gibt also jede Menge werbefreier Inseln im Web.

Ärgerlich: Werberüpel verschrecken Besucher

Die meisten anderen Webseitenbetreiber versuchen jedoch, über Werbung Geld zu verdienen. Was allein schon deswegen nötig ist, weil nur wenige Internetbenutzer bereit sind, für Inhalte oder Service im Web etwas zu bezahlen. Werbung scheint eine allgemein akzeptierte Alternative zu sein. Allerdings kommt es, wie so oft, auf die gesunde Dosis an. Ein bisschen Werbung - diskret platziert, nicht zu aufdringlich und im Idealfall zum Thema passend - akzeptieren die meisten Datensurfer.

Doch es gibt leider auch jede Menge Webseiten, die mit Reklame regelrecht überfrachtet sind. Man könnte auch von Werberüpeln sprechen. Auf solchen Webseiten vorbei zu schauen, macht wirklich keinen Spaß. Solche Webseiten präsentieren mehr Werbung als Inhalte. Links, rechts, oben, unten: überall Reklame. Die eigentlichen Inhalte, auf die es den Besucher eigentlich ankommt, muss man mit der Lupe suchen. Angesichts solcher Webangebote ist es kein Wunder, wenn Internetbenutzer spezielle Werbeblocker benutzen, die auf Knopfdruck alle Werbung aus der Webseite verbannt.

Google holt Werbung aufs Handy

Besonders lästig sind Werbefenster, die sich dreist über den Inhalt schieben und außerdem noch nicht mal weggeklickt werden können. Bei solchen Werbeeinblendungen gibt es oft sogar irreführende Icons, die den Eindruck erwecken, sie dienten zum Schließen des Fensters, erweitern es aber sogar auf Vollbildgröße. Schwer vorstellbar, dass irgendein Datensurfer positiv auf solche Reklame reagiert. Es gibt sie trotzdem, und zwar relativ oft. Was kein gutes Licht auf Werbung im Web wirft. Wer es vorher weiß, kann solche Webseiten natürlich meiden. Allerdings: Schickt einen die Suchmaschine dorthin, ist man von der Werbeflut in der Regel überrascht.

Google verdient prächtig mit Werbung. Der Suchmaschinenriese flankiert nicht nur seine Suchergebnisse mit Reklame, sondern präsentiert seinen User auch in den zahlreichen anderen kostenlosen Onlinediensten Reklame, zum Beispiel in Google Mail. Nun hat Google den Sprung in den Mobilfunkmarkt vor. Wie es aussieht, tüftelt Google an einer Art Betriebssystem fürs Handy, die Handyhersteller kostenlos bekommen können. Google will Werbung aufs Handy schicken und so das Telefonieren günstiger machen, vielleicht sogar kostenlos. Motto: Erst einem Werbespot lauschen - und dann ein paar Minuten gratis telefonieren.

Ob die Menschen das auch noch akzeptieren, bleibt abzuwarten.

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