Donnerstag, 29. Juli 2010

Thema des Monats

Sag mir, wo Du gerade bist ... (01.03.2010)

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Google-Karte mit Aufschrift: Hier bin ich gerade!

Das Internet bringt Menschen dazu, die merkwürdigsten Dinge zu tun. Sie stellen Fotos von sich und anderen ins Web und machen sie so öffentlich zugänglich, darunter Aufnahmen, die man eigentlich nur im engsten Freundeskreis sehen sollte. Sie schütten öffentlich ihr Herz aus, machen intime Details zur Websache und kennen kaum noch Tabus – mal, weil man sich im Internet wunderbar in der Anonymität verstecken kann, mal aus Naivität oder technischer Unkenntnis.

Der aktuelle Aufenthaltsort immer öffentlich

Ein neuer Trend ist, auch den aktuellen Aufenthaltsort zur Allgemeinsache zu erklären. Viele muss man gar nicht mehr fragen, wo sie sich gerade aufhalten – sie verraten es nämlich freiwillig. Ihre Smartphones informieren alle anderen über ihren aktuellen Aufenthaltsort. Viele Smartphones haben heute eingebaute GPS-Empfänger und können mühelos die aktuelle Position auf wenige Meter genau ermitteln, selbst ohne GPS ist das heute in Großstädten straßengenau möglich. Diese Geodaten lassen sich via Internet veröffentlichen – und dann weiß theoretisch jeder Bescheid.

Der Sinn der Sache: Freunde, Kollegen oder Familie können sehen, wo man gerade ist. Das erleichtert zum Beispiel, sich kurzfristig zu einem Kaffee zu verabreden. Es gibt sogar bereits Onlinedienste, die darauf spezialisiert sind, Menschen auf diese Weise zusammen zu bringen. Geodienste wie Foursquare oder Google Latidude posaunen auf Wunsch den aktuellen Aufenthaltsort in die Welt hinaus, teilweise sogar über Twitter - mit exakten Angaben zu Längen- und Breitengrad. Auf Knopfdruck erscheint eine Onlinekarte, in der die genau eingetragen ist, wo sich jeder gerade aufhält.

Irgendwo zwischen praktisch – und Big Brother

Bei Foursquare teilt das Handy sogar mit, wenn man sein Lieblinscafé oder ein Restaurant betritt. Sind gerade Freunde in der Nähe, vibriert das Handy. Sowas kann zweifellos praktisch sein - und auch recht unterhaltsam. Leider nutzen allerdings mittlerweile auch Kriminelle die neuen technischen Möglichkeiten aus. Es geht das Gerücht, dass Einbrecher gezielt Twitter-Meldungen mit Aufenthaltsangaben durchforsten. Die Logik der Einbrecher: Wenn jemand per Smartphone mitteilt, wo er sich gerade aufhält, ist er ganz sicher nicht – richtig: zu Hause!

Wie einfach es ist, an solche Daten zu gelangen, zeigt die Webseite pleaserobme.com besonders eindrucksvoll. "Bitte raubt mich aus!", ein treffender Name für ein solches Angebot. Auf der Webseite erscheinen Tweets von Leuten, die gerade auf die ein oder andere Weise der Welt ihren aktuellen Aufenthaltsort mitteilen - und so Opfer von Einbrechern werden könnten. Allzu viel Recherche ist dann nicht mehr nötig, die reale Adresse lässt sich im Zeitalter sozialer Netzwerke in der Regel leicht herausfinden, auch spezielle Personensuchmaschinen wie Yasni helfen weiter.

Einbrecher nutzen Geodaten zum Auskundschaften geeigneter Objekten

pleaserobme.com ist selbstverständlich kein Werkzeug für Einbrecher, sondern will die User für das Thema sensibilisieren. Jedem soll klar sein: Auch Geodaten wie der aktuelle Aufenthaltsort können sensibel sein – und gehören nur mit Bedacht ins Netz gestellt. Während wir heute intensiv diskutieren, welche Fotos online gestellt werden dürfen, machen sich nur wenige Gedanken darüber, welche Risiken damit verbunden sind, den aktuellen Aufenthaltsort öffentlich zu machen.

Im Grunde gelten ähnliche Spielregeln wie für Fotos und andere sensible Daten: Jeder sollte genau prüfen, wer die Daten abfragen und verarbeiten kann. Im Idealfall können nur bestätigte Freunde den Aufenthaltsort sehen. Deshalb ist es äußerst wichtig, sich mit den Einstellmöglichkeiten vertraut zu machen – damit es keine bösen Überraschungen gibt. Wem das alles nicht geheuer ist, sollte lieber die Finger von solchen Geodiensten lassen. Denn schnell hat man mal eine Funktion aktiviert, die selbst dann noch den aktuellen Aufenthaltsort mitteilt, wenn man selbst nicht mehr daran denkt. Und das kann peinlich werden.

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